Das italienische Dialektwort Cacciucco kommt ursprünglich von dem türkischen Wort „kacukli“ und bedeutet ein Durcheinander oder eine Vermischung. In der Gastronomie hat es freilich eine ganz spezielle Bedeutung, als traditioneller Fischeintopf ist der Cacciucco das Lieblingsgericht der Hafenstadt Livorno. Man könnte ihn mit der Marseiller Bouillabaisse vergleichen, aber während diese berühmte Fischsuppe ganz genau bestimmte Zutaten hat, verlangt der Cacciucco lediglich mindestens fünf (so viele, wie „c“ im Wort vorkommen) verschiedene Arten von Fischen und anderen Meerestieren, die aber von der Rotbarbe über die Muräne bis zu Oktopus und Heuschreckenkrebs variieren können.
Das gastrosophische Trio Infernal Paul Renner, Kurt Bracharz und Sepp Schellhorn richtet ein kulinarisches Durcheinander an, freilich ein durchaus strukturiertes, wenn auch die Struktur nicht offensichtlich sein wird. Unter anderem werden die Lieblingsgerichte der drei Protagonisten auf kreative Weise reloaded (rinforzato), so dass das Publikum in den Genuss gänzlich neuer Aspekte von an sich klassischen Gerichte kommen wird.
Paul Renner ist der Begründer des Hell Fire Touring und Dining Clubs, ein Schüler Hermann Nitschs und ein Borderliner in mehrfacher Hinsicht, da er noch in diesem Jahr ein Dinner am Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko ausrichten wird. Frühere Höhepunkte grenzgängerischer Kulinarik waren das „Hardcore Diner“ bei Leo König 2006 in New York, das „Theatrum anatomicum“ in und neben dem Kunsthaus Bregenz 2007 oder „Fenghuang Metamorphoses“ 2010 in Shanghai. In Salzburg hatte er 2005 im Restaurant M32 des Museums der Moderne am Mönchsberg mit einer zuletzt stark illumininierten Gästeschar in „120 Tage nach Sodom“ die „Überwindung des Ekels“ (Untertitel) gefeiert, mit Kurt Bracharz als Redner und Sepp Schellhorn als Chef de cuisine.
Die drei K der Produktion des Schriftstellers Kurt Bracharz sind Kriminalromane („Der letzte Koch“), Kulinaria („Mein Appetitlexikon“) und Kinderbücher („Wie der Maulwurf beinahe in der Lotterie gewann“). Zuletzt erschien 2010 ein Auszug aus seinem E-Mail-Wechsel mit Paul Renner unter dem Titel „Caro Curtzio! Mon cher Popaul!“ Seine Vorliebe gehört der Cuisine d’abattoir, sein Widerwillen den Fernsehköchen. Im übrigen hält er es mit Konfuzius, der sich weigerte, etwas zu essen, das nicht vollkommen exakt geschnitten worden war.
Sepp Schellhorn ist ein Schüler des Jahrhundertkochs Witzigmann und der Wirt des Hotels „Der Seehof“ mit dem 2-Hauben-Restaurant „Hecht“ in Goldegg. Er fängt die pataphysischen Kochideen Renners und die futuristischen von Bracharz in einem Reindl zusammen und macht aus dem anarchistisch-kulinarischen Hirnschwurbel der Künstler etwas Konkretes, das die Geschmackspapillen der Verkoster in Jubel ausbrechen lässt.
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